Baustoff Glas: High-Tech-Material mit Durchblick

Früher war Glas der große Schwachpunkt in der Energiebilanz eines Hauses. Modernes Glas dämmt heute dagegen fast so gut wie eine Mauer – und kann viel mehr, als Helligkeit einlassen und einen Ausblick bieten. Obwohl Glas aus Allerwelts-Rohstoffen – geschmolzenem Quarzsand, Kalk und Soda – besteht, galt es lange als kostbares Produkt. Denn es war schwierig, eine große, ebene Scheibe herzustellen. Tageslicht kam durch kleinere Glasscheiben in die Wohnräume, nicht selten Sprossenfenster oder auch Bleiverglasungen. Heute planen Architekten dagegen mit großen Fenstern und Glasfassaden als gestalterischen Elementen – dank einer stark verbesserten Produktionsweise kein Problem.

Energiesammler und Wärmehüter

Die energiesparende Bauweise erfordert Fenster, die Wärme fast so gut wie Mauern dämmen oder – wie beim Passivhaus – sogar Sonnenenergie einfangen und nutzen. Herkömmliches Isolier- oder Einfachglas kann das nicht, beschichtetes Isolierglas schon: Der Rahmen hält zwei oder mehr Scheiben, die innen mit einer dünnen Metallschicht versehen sind. Die lässt Licht ungehindert ins Haus, doch der Anteil langwelliger Wärmestrahlen kann nicht mehr hinaus – er wird in den Raum reflektiert. So sammelt das „Warmglas“ auch im Winter Energie. Zusätzlich kann der Zwischenraum mit Edelgas gefüllt sein, das besser dämmt als Luft. Es lohnt sich, alte Fenstergläser gegen moderne auszutauschen, bei funktionsfähigem Rahmen geht das schnell und sauber innerhalb eines Tages. Kosten bei 25 Quadratmetern Glas: ca. 2.000 bis 3.500 Euro.

Im Hausbau wird zumeist Flachglas verwendet – ebenes Glas, das lange Zeit gegossen und plan geschliffen wurde und heute durch das so genannte Floaten hergestellt wird. Floatglas ist der Fachbegriff für Flachglas, das in einem Schwimmverfahren im Zinnbad hergestellt wird. Isolierglas besteht aus zwei oder mehr Scheiben mit Abstand. Die Ränder sind luftdicht verklebt, der Raum zwischen den Scheiben ist luftgefüllt, dämmt Wärme und Lärm. Es gibt Wärme-, Schall- und Sonnenschutzglas. Bei Drahtglas handelt es sich um Gussglas mit eingewalzter Drahtnetzeinlage. Es hat den Vorteil, sehr stabil zu sein – bei Bruch fallen keine Splitter herunter.
Sicherheitsglas ist elastischer und schlagfester als normales Fensterglas, und wird beispielsweise bei Ganzglastüren eingesetzt. Geht es zu Bruch, entstehen stumpfkantige Teile, was die Verletzungsgefahr deutlich reduziert. Die ist auch bei Verbundsicherheitsglas extrem niedrig: Dabei handelt es sich um Flachglas aus Scheiben, die durch eine Kunststofffolie zur Einheit verbunden sind, so dass bei Bruch die Glasstücke an der Folie haften.

Multifunktionsgläser bieten noch zusätzliche Eigenschaften, etwa besseren Schallschutz oder höhere Einbruchssicherheit. Manche kombinieren sehr gute Wärmedämmung mit sommerlichem Hitzeschutz – bei einer Glasfassade kann das sehr wichtig sein. Es gibt auch Multifunktionsgläser, bei denen eine spezielle Beschichtung bewirkt, dass Schmutz (etwa Vogelkot) durch das Sonnenlicht von der Oberfläche abgelöst wird und so leicht vom Regen abgewaschen werden kann.

Gläserne Akzente innen und außen

Auch Glasbausteine sind inzwischen mehr als lichtdurchlässige Mauerteile. Spezielle Ausführungen lenken Licht ins Haus, während andere die Blendung durch zu viel Sonne verhindern. Alle Arten von Glasbausteinen sind unempfindlich gegen Kratzer und – im Unterschied zu Glasscheiben – sieht man Wasserflecken kaum. Ideal für Heimwerker: Neue Verbindungssysteme mit Kunststoff- oder Aluprofilen machen das Verbauen einfacher – zum Beispiel als attraktive Trennwände im Inneren.

Überhaupt haben Designer und Einrichter Glas als Akzente setzendes Material fürs Innenleben eines Hauses entdeckt. So dienen Echtglasplatten als Tür oder Treppengeländer, umgeben die Dusche oder fungieren als Schranktüren.

Ob satiniert, gemustert, farbig beschichtet oder klar: Die Oberfläche verfehlt ihre Wirkung nicht und setzt markante Akzente im Haus.

(Quelle: Schwäbisch Hall)