Durch Dachausbau zum Mehrwert-Wohnen

Früher wohnten vielleicht Bedienstete oder Poeten unter der Dachschräge. In Häusern für Normalverdiener musste das Oberstübchen als Stauraum für selten oder gar nicht gebrauchte Gegenstände herhalten. In Zeiten der Baulandknappheit und hoher Bodenpreise erinnert sich jedoch mancher Hausbesitzer seiner Raumreserven unterm Spitzdach. Welche Möglichkeiten in einem Altbau stecken, lässt sich anhand der Bau- und Lagepläne bestimmen. Am beliebtesten ist der Dachgeschossausbau - noch vor dem Kellerausbau. Vielen schwebt dabei eine komplette kleine Wohneinheit mit Schlafbereich und einem Bad vor. Andere wollen für die flügge gewordene Tochter eine sturmfreie Bude oder für den Elfjährigen ein eigenes Zimmer.


Drum prüfe...Die schwierigste Aufgabe besteht darin, so ein Dachausbauexperte, einem bisher minderwertigen Raum plötzlich Wohnqualität zuzumessen. Hier sollte dem Ausbauwilligen geraten werden, sich erst einmal beim örtlichen Bauamt durch eine Rückfrage bestätigen zu lassen, ob das Vorhaben auch genehmigungsfrei ist. Vorher gründlich geprüft werden sollte etwa die Tragfähigkeit des Bodens. Auch Dachstuhl und Dachdeckung haben einen kritischen Blick verdient. Sind diese bei einem vorschnellen Bauentschluss hinter Wärmedämmung und Wandverkleidung verschwunden, können sich Feuchtschäden unbemerkt ausbreiten.

Drei Viertel der Wohngebäude in Deutschland stammen aus den Baujahren vor 1978. Entsprechend schlecht ist der Wärmeschutz. Auch bei einem Ausbau von Dächern zu Wohnraum gelten jedoch die Anforderungen der Energieeinspar-Verordnung für den Wärmeschutz (ein U-Wert von 0,30W/m²K)!

Viele Hausbesitzer denken mit Unbehagen an eine Umbauzeit, die nach landläufiger Meinung mit Schmutz, Baulärm und Staub verbunden ist. Dabei stellt der Trockenbau in vielen Fällen die sauberste und auch günstigste Lösung zur Sanierung der Räume unter der Dachschräge dar.

Bautechnik muss stimmen

Nicht immer ist der Selbstausbau der günstigste Weg. Ohne fachlichen Beistand sind Pleiten häufig vorprogrammiert.
Beim Dachgeschossausbau werden von freien Mitarbeitern nachweislich zwei immer wiederkehrende Fehler gemacht: Ein falscher Aufbau der Dämmschichten und Einbaufehler beim Verarbeiten der Materialien.
Oftmals fehlt eine wasserführende Schicht unmittelbar unterhalb der Dachdeckung. Oder auf der Innenseite der Wärmedämmung sind undichte Dampfsperren angebracht. Der Feuchtehaushalt einer Dachkonstruktion wird durch eine Dampfbremse geregelt. Ein Blick auf die Gesetze der Bauphysik kann jedenfalls nicht schaden, wenn die Arbeiten unterm Dach bevorstehen. Ganz wichtig ist dabei die künftige Nutzung des Geschosses. Denn die Wärmedämmung funktioniert nur, wenn das Material, dessen Dicke sowie die Ausführung der Dachkonstruktion harmonieren.

Licht, Luft und Warmwasser

Neben effizienter Wärmedämmung und guten Lüftungsverhältnissen spielt die Belichtung eine große Rolle: Komplette Dachwohnfenstersysteme passen sich praktisch jeder Sparrenbreite des Daches an.
Für ein Schlafzimmer bietet das Dachgeschoss ebenfalls beste Voraussetzungen. Der Aufwand wird in diesem Fall höher, weil schließlich das Bad in erreichbarer Nähe sein sollte. Demnach müssen Wasserzuleitungen und Abwasserrohre ins Dachgeschoss vom unteren Geschoss verlängert oder neu gelegt werden.
Das Warmwasser selber kann dezentral über ein Warmwassergerät auf Temperatur gebracht werden und braucht somit keine Anbindung an die bestehende Versorgungsleitung.

Ein eigenes Reich, eine sturmfreie Bude für die selbständiger werdende Tochter, eine kleine Wohnung für den großen Sohn? Mit einem Dachausbau lassen sich Wünsche nach Bedarf umsetzen – und das Haus gewinnt an Wert.

(Quelle: Wüstenrot&Württembergische)