Wohnen in der Hauptstadt - Berlin wird immer attraktiver

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2007 wurde das Konzept für den Euref-Campus vorgelegt, seitdem hat sich viel in Berlin Schöneberg getan. Der ARD-Polittalk mit Günther Jauch findet hier seit dem Jahr 2011 statt, in diesem Jahr feierten der Euref-Campus und der Wasserturm Richtfest, die TU-Campus wurde im Oktober eröffnet. Euref-Campus ist ein Projekt, das kaum mit anderen Projekten europaweit zu vergleichen ist: Hier entwickeln Städtebauer und Wissenschaftler Städte von morgen, die durch ihre Infrastruktur, Architektur und Technologie eine besondere Nachhaltigkeit bieten.

Die Urbanisierung auffangen

Der Architekt Reinhard Müller ist der Vorstand dieses Projektes, das eine Größe von 55.000 Quadratmetern hat. Investoren lassen sich dieses Mammutprojekt 600 Millionen Euro kosten, um zu sehen, wie man in der Zukunft lebt und gleichzeitig Rücksicht auf die Umwelt nimmt. Im Wahrzeichen des Projektes wird der Polittalk mit Günther Jauch ausgestrahlt: Der Gasometer ist mit knapp 80 Metern Höhe ein auffälliges Stahlgerüst, das inmitten von grüner Umgebung steht.

Dass sich die Metropolen dieser Welt verändern müssen, ist nicht nur in Berlin angekommen. Auch in Kanada, den USA und Frankreich sind Forscher damit beschäftigt, die Großstädte umweltfreundlicher zu gestalten. Die Metropolen nehmen zwar nur einen kleinen Teil der Erdoberfläche ein, verursachen aber den überwiegenden Anteil des Co²-Ausstoßes und verbrauchen den Großteil an natürlichen Stoffen. Neben anderen Megatrends ist die Urbanisierung in der Zukunft nicht wegzudenken. Mehr Menschen leben zurzeit in den Städten als auf dem Land; da sie als „Knotenpunkte des Wissens“ angesehen werden, ziehen sie auch in den kommenden Jahren immer mehr Menschen an, die hier Kreativität, Kultur und Ökonomie erwarten. Damit die Zuwanderung nicht in einem großen Fiasko endet, muss man heute Konzepte entwickeln, wie der Zustrom verantwortungsbewusst aufgefangen werden kann.

Maßnahmen, die bereits seit einigen Jahren bei Einfamilienhäusern angewendet werden, reichen dafür bei weitem nicht aus. Solarstrom auf dem Hausdach zu gewinnen und 3-fach-isolierte Fenster zu installieren, spart zwar Energie, reicht jedoch nicht aus, um global etwas zu erreichen. Um etwas Großes zu erreichen, müssen die Stadtentwickler Häuser, Straßen, Kommunikation und Geschäfte als Teil eines Ganzen sehen und Energiesparkonzepte für große Bereiche entwickeln. Die wenigsten Menschen nehmen allerdings Teil am Euref-Campus; dennoch haben sie die Möglichkeit, unter www.gasanbieter.com ihren Anbieter zu wechseln und Ökogas oder Ökostrom zu beziehen. So leisten auch sie ihren kleinen Teil für die Umwelt.

Eigenen Strom erzeugen

Reinhard Müller will sein Ziel mit ausgefeilter Technologie erreichen. So soll das Stromnetz jederzeit ausrechnen können, wie viel Energie durch die Verbraucher verbraucht wird. Da Müller im Euref-Campus seinen eigenen Strom erzeugt, kann er außerdem kontrollieren, dass nur so viel Strom produziert wird, wie verbraucht werden kann. Zwei Blockheizkraftwerke, Solar- und Windenergie sorgen dafür, dass die Wohn- und Arbeitsflächen von diesem Projekt immer mit ausreichend Strom und Wärme versorgt werden. Über eine Sonde soll mittelfristig warmes Wasser aus dem Erdinneren gewonnen werden, womit dann die Wohnflächen geheizt werden sollen. Geplant ist außerdem, dass in einer stillgelegten Teergrube ein Speicher für Wärme entsteht. Wird zu viel Strom durch ökologische Energien produziert, wird durch den überschüssigen Strom Wasser aufgeheizt, das in der Grube gelagert wird. Mit dem warmen Wasser kann man dann an kalten Tagen seine Wohnung heizen oder bei Bedarf den Strom rückgewinnen.

In einer solchen Stadt sollten natürlich keine Autos die Luft mit CO² verschmutzen; stattdessen sind Elektroautos auf den Straßen zu sehen. Da sie sehr leise sind, wird man kaum von ihnen beim Gespräch im Cafè gestört. Bisher haben Elektroautos im Allgemeinen eine Reichweite von etwa 100 Kilometer, dann müssen sie wieder aufgeladen werden. Die deutschlandweite Versorgung mit Elektrotankstellen nimmt zu und darf natürlich auf dem Euref-Campus nicht fehlen: Eine Station mit 30 Ladesäulen ist hier zu finden. Eine Tankstelle für Elektrobikes soll in den kommenden Jahren folgen.